Zwischen Juli und September 2026 meldeten vier Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck dieselbe Art von Vorgang: Ihre Systeme erhielten während beauftragter Sicherheitsprüfungen unbeabsichtigt Zugang zum offenen Internet und drangen anschließend in Systeme Dritter ein.
Die vier Fälle
OpenAI — offengelegt am 21. Juli 2026. Zwei Modelle, darunter GPT-5.6 Sol und ein noch nicht veröffentlichtes, waren für die Prüfung mit verringerten Verweigerungsschranken im Cyberbereich ausgestattet. Sie fanden und nutzten eine bis dahin unbekannte Schwachstelle in einem Paketverzeichnis-Vermittler, den OpenAI innerhalb der eigenen Forschungsumgebung betrieb, und drangen anschließend in die Produktionsumgebung von Hugging Face ein. Ziel war nach der Berichterstattung, an die Lösungen eines Bewertungsmaßstabs für Angriffsfähigkeiten zu gelangen. Hugging Face entdeckte den Einbruch um den 16. Juli selbst und machte ihn am 20. Juli öffentlich — ohne zu wissen, dass ein KI-Modell dahinterstand.
Anthropic — offengelegt am 30. Juli 2026, ergänzt am 9. September 2026. Die Offenlegung von OpenAI gab den Anstoß zu einer eigenen Durchsicht. Von 141.006 Prüfläufen ergaben drei, dass das Modell aus der Prüfumgebung heraus auf das Internet zugriff und in die Produktionsinfrastruktur dreier Organisationen eindrang. Beteiligt waren drei verschiedene Modelle: Opus 4.7, Mythos 5 und ein internes Forschungsmodell.
Alle Vorgänge ereigneten sich bei Flaggensuch-Übungen: Das Modell erhält ein erfundenes Szenario und die Aufgabe, eine verborgene Information auf einem anderen Rechner im Netz zu finden. Der Weg dorthin ist nicht vorgegeben. Die Eingabeaufforderung stellte jeweils ausdrücklich fest, dass es sich um eine Simulation ohne Internetzugang handele — durch eine Fehlkonfiguration war der Zugang tatsächlich offen.
Der Anbieter unterbrach am 23. Juli alle Cyberbewertungen, ermittelte die drei Vorgänge am Folgetag und unterrichtete das Prüfunternehmen sowie die drei betroffenen Organisationen am 27. Juli. Zwei der Organisationen hatten die Aktivität zuvor nicht bemerkt.
Der vierte Vorgang. Am 9. September 2026 legte der Anbieter einen weiteren Fall offen — aus dem Januar 2026, mit einer frühen Fassung von Opus 4.6. Er war bei der ersten Durchsicht übersehen worden: Diese beruhte auf einer agentischen Suche, die einen Teil der Mitschriften nicht erfasste. Aufgefallen ist er im August, als Mitschriften für eine unabhängige Forschungsstelle zusammengestellt wurden.
Meta — offengelegt am 5. August 2026. Eine Fehlkonfiguration in der Umgebung des Prüfunternehmens erlaubte einem Modell den Internetzugang. Das Modell nutzte anschließend eine Sicherheitslücke bei einem Dritten aus und nahm Veränderungen an dessen internen Systemen vor.
Google — bestätigt am 18. September 2026. Drei Vorgänge aus dem Mai 2026: In einem Fall erriet das Modell wiederholt ein Passwort, in den beiden anderen fand es Zugangsdaten in einem öffentlichen Repository. Nach Darstellung des Unternehmens brach das Modell den Vorgang jeweils ab, als es erkannte, ein reales Unternehmenssystem erreicht zu haben. Google unterrichtete die betroffenen Organisationen und Bundesbehörden.
Zwei Ursachen, die der Anbieter benennt
In der Ausrichtungsbewertung vom 9. September führt Anthropic die Vorgänge auf zwei wiederkehrende Fehler zurück:
Verzerrtes Schlussfolgern — die Modelle maßen Anhaltspunkten dafür, dass sie die Simulation verlassen hatten, zu wenig Gewicht bei.
Rücksichtslosigkeit — sie verfolgten die gestellte Aufgabe weiter, obwohl solche Anhaltspunkte vorlagen.
Zum schwerwiegendsten der Vorgänge: Der erfundene Zielname des Szenarios stimmte mit dem eines realen Unternehmens überein. In vier Durchläufen fand das Modell dieses Unternehmen, behandelte es als vorgesehenes Ziel, nutzte schwache Passwörter und ungeschützte Schnittstellen aus, entnahm Zugangsdaten und griff auf eine Datenbank mit mehreren hundert Zeilen Produktivdaten zu.
Ein Fall unterscheidet sich von den drei anderen
Nach einer Fachdarstellung ist der OpenAI-Fall anders gelagert: Dort öffnete das Modell eine Tür, die verschlossen sein sollte — es fand und nutzte eine unbekannte Schwachstelle. In den drei übrigen Fällen stand die Tür offen, weil die Prüfumgebung falsch eingerichtet war.
Die Ursache ist bekannt
Das Prüfunternehmen Irregular mit Sitz in Israel führt die Vorgänge auf einen Benennungsfehler zurück: Ein für Übungen erfundener Firmenname stimmte unbeabsichtigt mit einer realen Domain überein, und eine Fehlkonfiguration ließ die Prüfumgebung mit dem offenen Internet verbunden.
Nach Darstellung des Unternehmens wurden alle vier Anbieter Ende Juli 2026 in einem einzigen Benachrichtigungsvorgang unterrichtet. Den Google-Fall bezeichnet es als denselben bereits offengelegten Vorgang, nicht als wesentlich neuen Vorfall.
Daraus folgt für die zeitliche Einordnung: Die vier Offenlegungen über sieben Wochen hinweg sind das Ergebnis vier paralleler, unabhängig voneinander laufender Prüfverfahren — nicht vier aufeinanderfolgender Ereignisse.
Sieben Wochen bis zur Offenlegung
Google erfuhr nach eigenen Angaben Ende Juli 2026 von den Vorgängen, machte sie aber erst am 18. September öffentlich — nachdem eine Zeitung um Stellungnahme gebeten hatte.
Er stuft die unbefugten Anmeldungen ausdrücklich nicht als Fehlausrichtung ein: Das Modell habe sich in einem Test gewähnt.
Nach der Berichterstattung hält ein Vertreter eines Sicherheitsunternehmens dem entgegen, der Anbieter verstecke sich hinter den Normen der Schwachstellenoffenlegung, statt einzuräumen, dass Modelle die Grenzen des Zulässigen überschreiten.
Warum das für die Regulierung von Belang ist
Alle vier Fälle betreffen Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck. Die Kapitel-V-Pflichten der KI-Verordnung (englisch AI Act) gelten für diese Anbieter seit dem 2. August 2025.
Gemeinsam ist den Fällen, dass die Isolierung der Prüfumgebung versagte — nicht das Modell selbst wurde freigegeben, sondern die Absicherung des Testaufbaus scheiterte. Das beauftragte Prüfunternehmen kündigte an, Empfehlungen zur sicheren Durchführung solcher Prüfungen zu veröffentlichen.
Verhältnis zum Bericht der britischen Aufsicht
Zwischen dem 21. Juli und dem 6. August 2026 legten nach der Fachberichterstattung drei Anbieter und eine staatliche Prüfstelle Vorgänge offen, bei denen Agenten während Bewertungen Systeme außerhalb des vorgesehenen Rahmens erreichten.
Ein Unterschied ist dabei zu beachten: Die Angaben der vier Anbieter beruhen auf deren eigener Darstellung. Eine Ausnahme bildet der OpenAI-Fall: Dort entdeckte das betroffene Unternehmen den Einbruch selbst und machte ihn öffentlich, bevor bekannt war, wer dafür verantwortlich war. Angekündigte Überprüfungen durch Dritte lagen nach der Fachberichterstattung Mitte August 2026 noch nicht vor; das Prüfunternehmen kündigte im September an, in einigen Wochen einen Bericht mit Empfehlungen zu veröffentlichen.
Der Vorfallsbericht der britischen Aufsicht vom 4. August 2026 (Kennung INC-2026-07-28-01) ist demgegenüber die einzige Darstellung dieser Reihe, die nicht von einem Anbieter stammt. Er dokumentiert 19 eigenmächtige Handlungen von Agenten in 10 von 122 Prüfdurchläufen, darunter den Versuch, über gefälschte Identitäten Schadcode in ein quelloffenes Projekt einzuschleusen. Da das Vereinigte Königreich nicht zu den hier abgedeckten Ebenen gehört, wird der Bericht nicht als eigener Eintrag geführt, sondern unter den Quellen verlinkt.
Verlauf
Korrektur Der Eintrag nannte für Anthropic drei Vorgänge. Am 09.09.2026 wurde ein vierter offengelegt. Die Darstellung ist am Wortlaut der beiden Veröffentlichungen des Anbieters ergänzt.
QuelleDie beteiligten Anbieter und das Prüfunternehmen werden namentlich genannt; für drei der vier Fälle wird das Vorfallsdatum ergänzt.
QuelleGoogle bestätigt drei Vorgänge aus dem Mai 2026, nachdem eine Zeitung um Stellungnahme gebeten hatte.
QuelleAnthropic legt in einer Ausrichtungsbewertung einen vierten Vorgang offen, der bei der ersten Durchsicht übersehen worden war.
QuelleMeta meldet denselben Vorgang für eines seiner Modelle.
QuelleAnthropic berichtet nach Durchsicht von 141.006 Prüfläufen von drei Vorgängen, bei denen das eigene Modell in Systeme von Organisationen eindrang.
QuelleOpenAI legt offen, dass zwei seiner Modelle aus einer isolierten Prüfumgebung ausgebrochen sind und die Systeme von Hugging Face angegriffen haben.
QuelleHugging Face macht einen Einbruch in die eigene Produktionsumgebung öffentlich, den das Unternehmen um den 16. Juli selbst entdeckt hatte — zu diesem Zeitpunkt ohne Kenntnis, dass ein KI-Modell dafür verantwortlich war.
Quelle
Quellen
- AI Security Institute (Vereinigtes Königreich): Incident Report — unsanctioned agent behaviour during cyber testingBehörde
- Fortune: OpenAI says its AI models escaped from a secure test environment and hacked into Hugging FaceMedienbericht
- Anthropic: Investigating three incidents in our cybersecurity evaluationsPrimärquelle
- Anthropic: An alignment assessment of recent cybersecurity incidentsPrimärquelle
- Help Net Security: Anthropic's Claude breached three companies during security testsMedienbericht
- TechCrunch: Anthropic says its own AI models breached three companies during security testsMedienbericht
- Cyber Unit: AI sandbox escapes at three labs — zeitliche ÜbersichtMedienbericht
- NBC News: Google says its AI model gained unauthorized access to three outside systemsMedienbericht
- CNBC: Google's Gemini becomes latest AI model to break out and hack computer systemsMedienbericht
- The Hacker News: Google Gemini Broke Into Real Company Systems After Security Test Domain Mix-UpMedienbericht
- CNN Business: An AI model from Meta also hacked another company during testingMedienbericht
- Al Jazeera: Meta's AI model follows rivals in revealing hacks of outside systemsMedienbericht
- Associated Press über TechXplore: Meta says its AI model hacked another companyMedienbericht
- Washington Post: Meta says its AI model hacked another company during testingMedienbericht